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Hamburg Der Artikel ist die leicht gekrzte Fassung eines Beitrags aus der folgend genannten Ver”ffentlichung der Universit„t Hamburg und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung. Page, B./Rolf, A./Hilty, L./Schr”der, W. (Hrsg.) (1992): Umwelt und Informatik. Aspekte einer Wechselwirkung. Mitteilung Nr. 203 des Fachbereichs Informatik der Universit„t Hamburg (FBI-HH- M203/92). Hamburg. Vorwort 1. Einleitung 2. Netzwerke und Mailboxen - wie ntzen sie der Umweltbewegung? 3. Die Technik 4. Anwendungsbeispiele 4.1. Weltweite Vernetzung ber APC: Dial Locally, Act Globally 4.2. Vernetzung in Deutschland 4.3. Anwendungsbeispiel Mensch-Umwelt-Technik e.V. 5. Ausblick Literatur Vorwort --------------------------------------------------------- Aus der Erkenntnis heraus, daá Umweltprobleme uns mittlerweile global bedrohen, und m”glichst bald entsprechende L”sungen gefun- den werden mssen, steigt das Interesse an internationaler Zusam- menarbeit. Nicht nur in Nord-Sd-, auch in Ost-West-Richtung neh- men die Kontakte zu. Dabei sind h„ufig Schwierigkeiten ganz un- terschiedlicher Natur zu berwinden. Als M”glichkeit zum Infor- mationsaustausch und zur Untersttzung der Zusammenarbeit nutzen Umweltschtzer verst„rkt nationale und internationale Netzwerke, die im folgenden vorgestellt werden sollen. 1. Einleitung --------------------------------------------------- Nach einer Phase der Anprangerung der Verursacher muá die Umwelt- bewegung jetzt Konzepte fr die Schaffung von Alternativen ent- wickeln. Es kommt heute in erster Linie nicht mehr darauf an, auf die Probleme hinzuweisen. Vielmehr richtet sich die Arbeit mehr und mehr auf die exakte Ermittlung der Verursacher, die fundierte Erarbeitung der Zusammenh„nge. Hierzu werden auf der einen Seite immer speziellere Arbeiten mit interdisziplin„ren Forschungsauf- tr„gen ber lange Zeitr„ume n”tig. Auf der anderen Seite wird uns immer deutlicher bewuát, daá wir auch von den Umweltproblemen in anderen Teilen der Welt beeinfluát werden. Die Zukunft wird uns hier vor Aufgaben stellen, deren L”sungen uns bisher sehr schwer fallen. In jedem Fall kommt es aber darauf an, die Vorgehensweise durch fundierte Informationen abzusichern. W„hrend die Aufgabe des Forschens eigentlich von staatlicher Sei- te bernommen werden sollte, f„llt den Verb„nden der Umweltbewe- gung eine wichtige Rolle in Form unabh„ngiger Mahner zu, da sie nicht von der W„hlergunst abh„ngen und die Dinge eher beim Namen nennen k”nnen. Fr diese Verb„nde und Aktivisten sind deshalb h„ufig zus„tzlich zu den wissenschaftlichen Tatsachen von Um- weltproblemen auch ganz andere Informationen, die aus unter- schiedlichen Grnden oftmals nur durch eigene Medien der Umwelt- bewegung verbreitet werden, von besonderem Interesse. 2. Netzwerke und Mailboxen - wie ntzen sie der Umweltbewegung? --------------------------- Allgemeine Informationen ber Umweltschutz sind heute nahezu un- begrenzt verfgbar. Bei aktuelleren Informationen, die zun„chst nach mehr oder weniger seri”sen journalistischen Kriterien aufge- griffen werden, spielen bei der Entscheidung ber die Verbreitung h„ufig Faktoren eine Rolle, die in keiner Weise mit der tats„ch- lichen Bedeutung der Nachricht korrelieren. Seri”sere wissenschaftliche Informationen sind hingegen h„ufig erst nach einiger Zeit und zum Teil langen Recherchen zu bekom- men. Neben den Informationen ber die Probleme und Hintergrnde, die ausgetauscht werden, besteht aber auch ein erheblicher Bedarf an der Abwicklung von organisatorischen und nicht”ffentlichen Themen, wie beispielsweise der gemeinsamen Planung von Aktionen oder dem Erfahrungsaustausch ber Vorgehensweisen. Dabei mssen in der t„glichen Arbeit der Umweltorganisationen viele Informationen nicht nur von mehreren Personen/Gremien zu- mindest gelesen, sondern auch m”glichst bequem weiterverarbeitet werden k”nnen. Hier bietet electronic mail ber Mailboxen einen Vorteil gegenber dem Telefax: Mit nahezu jeder Software k”nnen die bertragenen Texte sofort eingelesen und weiterverarbeitet werden. Abgesehen davon, daá die Text-šbertragung mit den entsprechenden Ger„ten sehr gnstig wird, lassen sich ohne gr”áere Kosten auch Kopien herstellen und problemloser an Einzelpersonen oder Vertei- ler versenden, als es bei den herk”mmlichen Medien der Fall ist. Damit wird es selbst ber gr”áere Entfernung leichter, Ergebnisse gemeinsam zu bewerten und in einer Gruppe zu diskutieren. In vie- len F„llen besteht also nicht nur Bedarf an Informationen, die ber die herk”mmlichen Medien nur mit unter Umst„nden hohem Auf- wand zu beschaffen sind, es besteht teilweise Bedarf an einem v”llig neuen Medium selbst. Sollten Informationen aus aller Welt in einer zentralen Redaktion zusammenlaufen, aufbereitet und wieder weltweit verbreitet wer- den, so g„be es sp„testens unter dem Aspekt der Aktualit„t enorme Probleme. L„át man aber die Nachrichten nicht zur Redaktion, sondern die "Redaktion" zur Quelle der Nachrichten kommen, - indem der Autor den Versand und die Verbreitung selbst bestimmt - erh„lt man v”llig neue Strukturen. Dieser Ansatz l„át sich natrlich nicht mit den aufwendigen Strukturen der herk”mmlichen Medien realisie- ren. Erst die Datenfernbertragung bietet hier M”glichkeiten, die den Aufwand soweit reduzieren, daá er auch mit bescheidenen Mit- teln realisierbar ist, da zu einem ganz erheblichen Teil auf die bereits bestehenden Strukturen von Telefon- bzw. Datennetzen zurckgegriffen wird, und die Endger„te immer erschwinglicher werden. 3. Die Technik -------------------------------------------------- Bei den hier dargestellten Systemen handelt es sich um sehr un- terschiedliche Konfigurationen. Sie reichen im Prinzip von der m”glicherweise berwiegend ber ein LAN genutzten Inhouse-Mailbox bis zum weltweiten Netz. Das in London beheimatete GreenNet l„uft unter UNIX und tauscht die t„glich im Megabyte-Bereich anfallenden Daten mit den anderen Systemen im weltweiten APC-Verbund ber spezielle Datennetze aus. Es bietet Zugang ber mehrere Ports, sowohl ber Telefon als auch ebenfalls ber Datennetze. Im Gegensatz dazu sind die in Deutsch- land eingesetzten Systeme meist bescheidener ausgestattet. Hier werden kleinere parallel laufende Systeme auf XT/AT, Atari und anderen Rechnern in sehr dynamischen Strukturen miteinander ver- bunden. Sie verfgen meist nur ber einen Port. Der Datenaus- tausch erfolgt ber das Telefonnetz, im allgemeinen nach dem Store-and-forward-Prinzip. Zur Effektivierung von Laufzeit und Kosten bei privaten Nachrichten k”nnen aber Direktverbindungen zu den jeweiligen Systemen der Empf„nger aufgebaut werden. Prinzipiell lassen sich alle Netzstrukturen realisieren: Ring-, Stern- oder dezentrale Strukturen, aber auch Kombinationen aus diesen. Ein System kann Verbindungen zu einer beliebigen Zahl anderer aufnehmen, so daá sich auch verschiedene Netze auf einem System verbinden lassen. In diese Systeme lassen sich teilweise externe Programme, z.B. kleine Datenbanken fr Adressen, Meáwerte u.a., integrieren. Technische Voraussetzung fr das deutsche ComLink-Netz ist die Zerberus-Software. Das Mailboxprogramm Zerberus und sp„ter auch weitere Programme, die "zerberuskompatibel" sind, erlauben erst- malig den Aufbau von Netzen ohne groáe Anforderungen an Hardware und Fachwissen. Zwar lieáen sich sicher noch einige Punkte der Netzwerklogistik und Datensicherheit weiter optimieren. Der groáe Zuspruch zeigt jedoch, daá hier die einfache Handhabung - deut- sche Befehle, leichte und sehr flexible Vernetzbarkeit mit einer beliebigen Anzahl weiterer Systeme und die geringen Anforderungen an die Hardware ausschlaggebend waren. Das Programm ist sowohl fr IBM-kompatible als auch fr den ATARI ST erh„ltlich. Somit wird der Betrieb einer Mailbox auch mit geringen EDV-Kenntnissen m”glich und fr Benutzer erleichtert, deren Interesse prim„r inhaltlichen Aspekten gilt. Die Benutzer k”nnen zum einen direkt, d.h. online, auf die ge- wnschten Daten zugreifen. Es gibt aber auch die M”glichkeit einer Anbindung als sog. "Terminal" oder "Point". Die gewnschten Nachrichten werden dann automatisch zusammengestellt, komprimiert und zu bestimmten Zeiten (meistens zu kostengnstigen Nachttari- fen) abgerufen. Sie lassen sich dann sp„ter - offline - komfor- tabler und in Ruhe bearbeiten und gegebenenfalls beantworten. 4. Anwendungsbeispiele ------------------------------------------ Wie schon erw„hnt, liegt der enorme Vorteil der Netzwerke vor al- lem in den weltweiten Verbindungen. Lange bevor in Deutschland auch nur erste Anf„nge von umweltschutzorientierten Mailboxen existierten, gab es bereits weltweite Netze verschiedener Umwelt- gruppen. Sie sollen hier deshalb als erstes dargestellt werden. 4.1. Weltweite Vernetzung ber APC: Dial Locally, Act Globally -- Im internationalen Bereich haben sich verschiedene mehr oder we- niger parallel entstandene Netze zum weltweiten APC-Verbund zu- sammengeschlossen. APC steht fr Association for Progressive Communications. Dabei handelt es sich unter anderem um EcoNet in den USA, Web (Kannada), Nicarao (Nicaragua), Pegasus (Australien) und Alternex (Brasilien). Es gibt aber auch Anbindungen an kom- merzielle Anbieter wie z.B. Geo2 im Geomail-Verbund. šber Gate- ways bestehen auch Verbindungen zu BITNET, FidoNet und anderen. Nach dem Motto von APC: "Dial locally, act globally" wird ver- sucht, die Kosten m”glichst gering zu halten, indem die Benutzer nur die Verbindungen zum n„chsten APC-System bezahlen. Dort wer- den die Nachrichten gesammelt und zu gnstigen Tarifen weiterge- leitet. Trotzdem handelt es sich nur um einige wenige Systeme, die zwar die aktuellen Nachrichten an Bretter und Benutzer in kurzen Zeitintervallen austauschen. Fr die meisten Benutzer fallen aber trotzdem nicht unbetr„chtliche Telefonkosten an. So muáte bisher fr den Zugang zu APC aus Europa das in London be- heimatete GreenNet-System angew„hlt werden. Andererseits k”nnen die Benutzer der APC-Systeme ber Dienstlei- stungen verfgen, die ihnen von kleineren Systemen nicht angebo- ten werden k”nnten. So gab es bereits sehr frh die M”glichkeit, Telefaxe und Telexe ber die Systeme zu verschicken, so daá auch kleinere Organisationen, die nicht ber eigene Ger„te verfgten, diese Dienste nutzen konnten, was z.B. fr Presseinformationen und Kontakte mit den L„ndern der Dritten Welt sehr wichtig ist. Das Themenangebot der mehr als 600 Konferenzen reicht von der Or- ganisation von Veranstaltungen ber Energie und Klima„nderungen bis hin zu Menschenrechts- und Abrstungsthemen. Im weltweiten APC-Verbund sind 7000 Personen aus ber 1000 Organisationen sowie Journalisten und Einzelaktivisten zusammengeschlossen. Organisa- tionen k”nnen ihre eigenen Konferenzen betreiben und darber z.B. Presseerkl„rungen verbreiten. Einer der groáen Vorteile besteht in der Aktualit„t bei gleich- zeitig groáer Ausdehnung des Netzes. So wurden z.B. w„hrend des Golfkrieges viele Informationen ber das Netz weltweit ausge- tauscht, die sonst nicht so leicht zu beschaffen gewesen w„ren. Beispielsweise wurde eine der wenigen brauchbaren Quellen zur Beschaffenheit der ™kosysteme am Golf und ihrer Gef„hrdung durch den ™lteppich in einer Studie geliefert, die bereits nach kurzer Zeit ber eine Konferenz im Netz verbreitet wurde. Fr die Regenwaldbewegung, fr Organisationen, die sich mit Gif- ten oder Energiefragen besch„ftigen, besteht die M”glichkeit, ber die entsprechenden Konferenzen wichtige Aspekte oder aktu- elle Fragen auszutauschen und abzustimmen. Beispielsweise lassen sich vor Konferenzen Hintergrnde und Positionen austauschen, was auf anderem Wege kaum realisierbar w„re. Man muá sich dabei immer wieder klar machen, was es bedeutet, wenn z.B. ein Vertreter der Urwaldv”lker und Aktionisten vor Ort berichten k”nnen, was tat- s„chlich passiert, und weltweit Journalisten und Organisationen diese Informationen in Aktionen umsetzen k”nnen. 4.2. Vernetzung in Deutschland ---------------------------------- In Deutschland wird im Gegensatz zum APC-Konzept, das einige we- nige professionelle Zentralen vorsieht, eine andere Strategie realisiert. Dabei wird mit vielen kleineren dezentralen und ehrenamtlich betriebenen Systemen gearbeitet. Hier l„át sich die Idee der kurzen Distanzen zum n„chsten Netzzugang und somit zu niedrigen Telefongebhren erheblich leichter realisieren. Obwohl die Datenfernbertragung im allgemeinen in Deutschland im Vergleich mit anderen L„ndern bisher eher stiefkindlich behandelt wird, wurde mit der Entwicklung von Netzen zu umweltrelevanten Themen bereits sehr frh begonnen. Aus den verschiedenen Ans„tzen hat sich mittlerweile ein Zusammenschluá - ComLink - gebildet. Durch einen Gateway zu GreenNet nach London ist es auch m”glich, Nachrichten mit den Benutzern von APC auszutauschen. Auf vielen ComLink-Boxen werden auch die APC-Konferenzen angeboten. In jngster Zeit wird es durch einen Internet-Gateway auch m”g- lich, Nachrichten und News-Gruppen der gr”áeren weltweiten Netze, z.B. das EuNet zu beziehen. Neben den obligatorischen technisch orientierten Konferenzen gibt es auch hier eine Menge interessan- ter Bereiche fr den Umweltschutz. Damit bietet sich fr deutsche Initiativen die M”glichkeit, mit dem Anschluá an eine Mailbox internationale, nationale und interne Mitteilungen der Organisa- tionsmitglieder ber ein einziges System auszutauschen. Eigene Mailboxen gibt es z.B. beim ™ko-Institut, Freiburg, beim Bund fr Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) und ver- schiedenen Umweltzentren. Sie werden genutzt von verschiedenen anderen Verb„nden, interessierten Einzelpersonen und immer h„ufi- ger auch Journalisten. Auch DIE GRšNEN, die als erste Partei bereits seit Jahren ihre Informationen in Mailboxen ver”ffentli- chen, verfgen ber ein eigenes System. Vielversprechend er- scheint das auch in Deutschland zunehmende Interesse von Journa- listen an den Informationen aus den Netzen, zumal das Nachrich- tenvolumen von der Quantit„t mittlerweile dem einer Presseagentur kaum nachsteht. Auch in der anderen Richtung gibt es interessante Entwicklungen wie z.B. das Einspeisen von Nachrichten unter- schiedlicher Reaktionen in die Netze. 4.3. Anwendungsbeispiel Mensch-Umwelt-Technik e.V. -------------- Um die Arbeitsweise zu verdeutlichen und einen šberblick ber die Inhalte zu geben, soll hier eine Mailbox n„her vorgestellt wer- den. Es handelt sich dabei um die UMWELT-Box des Vereins Mensch- Umwelt-Technik. Die nicht”ffentliche Box in Hamburg wendet sich speziell an Umweltgruppen. Es werden deshalb aus den verschiede- nen Netzen die jeweils umweltrelevanten Themen angeboten. Hier eine Auswahl verschiedener Themenbereiche: /APC/EN/ALERTS EcoNet: Dringende Umweltnachrichen /APC/EN/ENERGY EcoNet: Energie /APC/EN/RECYCLE EcoNet: Recycling/Mll /APC/GN/NUCLEAR GreenNet: Atomwaffen/Atomenergie /APC/RAINFOREST/TIMBER Regenwald: Holz und Holzhandel Eine von vielen von der World Rainforest Movement (WRM) genutzten Konferenzen /APC/UNCED/AGENDA21 UNCED: Tagesordnung zum Thema 21. Jahrh. /APC/UNCED/DIALOGUE UNCED: Erarbeitung von Positionspapieren /APC/UNCED/DOCU UNCED: Konferenz-Dokumentationen UNCED = "United Nations Conference on Environment and Development" /BIONET/AGROFORESTRY Discussion of Agroforestry /BIONET/SOFTWARE Information about Software for biology /BUND/PRESSEINFOS BUND: Pressemitteilungen /CL/ENERGIE/POLITIK Regionalisierung statt Monopole! /CL/MUELL/VERMEIDUNG Das bessere Mllkonzept 5. Ausblick ----------------------------------------------------- Die Nutzung von Mailboxnetzen - nicht nur durch Umweltverb„nde - wird zunehmen. Dabei geht es keineswegs nur um quantitative, son- dern auch um qualitative Zunahmen. Nur wenn die Anwenderfreund- lichkeit vorangetrieben wird, wenn statt der Quantit„t die Quali- t„t in den Vordergrund tritt, kann hier ein sinnvolles Werkzeug geschaffen werden. So lieáen sich z.B. Umweltdaten wie bisher schon ber Btx auch ber Mailboxen verbreiten. Dabei ist jedoch zu berlegen, wer auf diese Weise angesprochen werden soll. Fr den Normalbrger ist es wohl nur im Einzelfall sinnvoll, sich dieses Mediums zu bedienen. Fr Organisationen und Experten aber, die st„ndig groáe Mengen an Informationen austauschen, die schnell veralten, kann hier eine hilfreiche Untersttzung geboten werden. Sicher wird es in diesem Bereich noch einige gegenw„rtig in ihrem Umfang nicht absch„tzbare Entwicklungen geben. Diese m”gen in einigen F„llen hilfreiche, in anderen m”glicherweise sch„dliche Auswirkungen haben und Korrekturen erfordern. Dabei kommt es vor allem darauf an, rechtzeitig ber die Auswirkungen nachzudenken. Die hier vorgestellten Techniken sind nur ein Werkzeug. Sie wek- ken die Hoffnung, den Umgang mit Informationen zu erleichtern. Eine L”sung unserer Probleme bieten sie nicht, sie helfen uns h”chstens bei unserer Suche nach dieser L”sung. Wichtig ist fr uns, daá diese Technik uns die Interpretation der Fakten nur sehr begrenzt abnehmen kann, daá die Entscheidung, Konsequenzen zu ziehen, die Entscheidung zu handeln, von uns kommen muá. Fr diejenigen, die sich umfassender informieren wollen, ver- schickt der Verein "Mensch-Umwelt-Technik e.V." gegen frankierten Rckumschlag eine Liste mit Kontaktadressen, weiteren Mailboxnum- mern und Literaturhinweisen. Als Einfhrung und šberblick ist dort auch die Dokumentation "Telekommunikation im Umweltschutz - Nutzungsm”glichkeiten und Probleme" erh„ltlich gegen DM 16,-- als Scheck oder in Briefmarken. Anschrift: Mensch-Umwelt-Technik e.V. - Im Winkel 3 2000 Hamburg 20 - 20251 Hamburg - Telefon 040/464811 Z-Netz : SYSOP@UMWELT.ZER InterNet: sysop@umwelt.comlink.de Literatur ------------------------------------------------------- Dvorak, J. C./Anis, N. (1990). DVORAK's Guide to PC Telecommu- nications. Berkeley, California: Osborne McGraw-Hill. Gengle, D. (1984). The Netweaver's Sourcebook. o.O.: Addison- Wesley. Goldmann, M./Hooffacker, G. (1991). Politisch arbeiten mit dem Computer (Schreiben und Drucken, organisieren, informieren und kommunizieren). Hamburg: Rowohlt. Langer, R. (1989). Datenkommunikation (Grundlagen und Anwendungen der šbertragung von Daten und Texten in ”ffentlichen Datennet- zen). Berlin: deGruyter. Mensch-Umwelt-Technik e.V. (1990). Telekommunikation im Umwelt- schutz (Nutzungsm”glichkeiten und Probleme), 2. Aufl. Hamburg: Mensch-Umwelt-Technik e.V. Roszak, T. (1986). Der Verlust des Denkens (šber die Mythen des Computerzeitalters). Mnchen: Droemersche Verlagsanstalt. Schewe, C. (1989). Krank durch Computer (...und wie man sich dagegen schtzen kann). Hamburg: Rowohlt. Schr”der, W. (1990). Mailboxnetzwerke als Werkzeug im Umwelt- schutz. In Pillmann, W./Jaeschke, Dr. A. (Hrsg.), Informatik fr den Umweltschutz (5. Symposium der Gesellschaft fr Informatik, Wien, Band 256, S. 666-672). o.O.: Springer. Vallee, J. (1984). Computernetze (Tr„ume und Alptr„ume von einer neuen Welt). Hamburg: Rowohlt. "Diese Maschinen einfach zum Arbeiten miábrauchen!" ----------------------------------------------------------------- Ein Gespr„ch mit Wolfgang Schr”der, 28, Vorsitzender des Hambur- ger Vereins Mensch Umwelt Technik e.V. Wolfgang Schr”der studiert Biologie mit den Nebenf„chern Naturschutz und Informatik an der Universit„t Hamburg. ftz-Magazin: Was will der Verein "Mensch Umwelt Technik"? Wolfgang Schr”der: Der Verein Mensch Umwelt Technik ist eigent- lich aus meiner Idee heraus entstanden, daá man Umweltverb„nden, die ja meist ohnehin v”llig berlastet sind, Hilfe im Bereich der EDV zur Verfgung stellen muá. Das heiát, wir versuchen, uns spe- ziell im Bereich der Datennetze Wissen anzueignen, um Organisa- tionen und Einzelpersonen, die diese Netze nutzen m”chten, dann zur Seite zu stehen. Wir stellen also den Leuten zum einen unser Wissen zur Verfgung und beraten sie bei der Nutzung. Anderer- seits betreiben wir als Verein die UMWELT-Mailbox, in der wir ge- genw„rtig wohl alle umweltrelevanten Informationen aus den unter- schiedlichen Netzen bereitstellen. Diese Informationen kommen dann direkt auf die Monitore der Computer der angeschlossenen Gruppen und Einzelpersonen. ftz-Magazin: Wird dieses Angebot angenommen, oder ist es schwie- rig zu vermitteln, daá diese Technik fr Umweltverb„nde Vorteile bieten kann? Wolfgang Schr”der: Also, als wir damit anfingen, h„tte ich den Leuten auch erz„hlen k”nnen, daá wir knallrote Meerschweinchen zchten; dann h„tten sie mich nicht wesentlich erstaunter ange- guckt. Heutzutage ist es bald umgekehrt: Wir haben zwar sicher noch nicht das Problem, daá wir zu viele User, also Benutzer, ha- ben. Wir merken aber mehr und mehr, daá eine Entwicklung im Gange ist, die uns so ein biáchen bedrohlich erscheint im Hinblick auf die Mengen, die auf uns zukommen werden. Und ich denke, man muá ganz klar sagen, daá der kritische Punkt bald erreicht ist. Das heiát, wir werden dann m”glicherweise exponentielle Entwicklungen haben durch die Zunahme der Zahl der User. Denn es entsteht da ja eine positive Rckkoppelung durch die Zunahme der Leute, die mit dem Kommunikationssystem arbeiten. Auch werden die Angebote immer besser, so daá auch die M”glichkeit der einzelnen, das fr sie Passende zu finden, erheblich ansteigt. Das ist gerade in letzter Zeit zu beobachten. ftz-Magazin: Wieviele Personen sind denn zur Zeit aktiv beteiligt im Verein Mensch Umwelt Technik? Wolfgang Schr”der: Also wie das in allen Vereinen so blich ist, haben wir als sehr kleiner Verein zwar vielleicht knapp vierzig Karteileichen. Die wirkliche Zahl der vor Ort Aktiven ist nur et- wa zehn Prozent davon. Das ist eben ein Problem: Es gibt nur we- nige Leute, die so verrckt sind, im EDV-Bereich ehrenamtlich zu arbeiten und sich viel Žrger und Mhen zu unterziehen, um dann wenig Dank dafr zu bekommen. ftz-Magazin: Wie bist Du pers”nlich auf die Idee gekommen, Dich mit Computern und Vernetzung zu besch„ftigen? Warst Du ein Compu- terfreak? Wolfgang Schr”der: Oh! Absolut nicht! Und ich bin es eigentlich auch heute noch nicht. Ich bin einer von diesen Barbaren, die diese Maschinen einfach zum Arbeiten miábrauchen und wenig Re- spekt vor ihnen haben. Ich habe eigentlich in meiner bald fnf- zehnj„hrigen Erfahrung im Umweltbereich in ganz unterschiedlichen Organisationen festgestellt, daá es zum einen enorme Probleme in der Struktur und der Organisation speziell aber auch im Bereich der Information und Zusammenarbeit gibt. Und als ich so die er- sten Kontakte und Einblicke in die DFš [Datenfernbertragung. Anm. d. Red.] hatte, war fr mich eigentlich klar, daá dort m”g- licherweise Werkzeuge bereitstnden, die erheblich helfen k”nn- ten, und daá andererseits auch irgendwann ein Run auf diese stattfinden wrde, und daá dabei in der Euphorie m”glicherweise auch viel den Bach runtergehen wrde, viele Probleme bersehen wrden. Und da war es eben unsere Idee, uns rechtzeitig damit zu besch„ftigen. ftz-Magazin: Und da hast Du Dir dann einfach einen Computer und ein Modem gekauft und angefangen, oder wie muá man sich das vor- stellen? Wolfgang Schr”der: Das ging so nach und nach. Ich habe mir einen Computer gekauft und dann ein biáchen in der DFš-Szene herumge- schaut. Damals war ich noch sehr skeptisch, ob das je etwas wer- den k”nnte. Aber nach und nach hat doch mein Optimismus gesiegt, und wie sich heute zeigt, hat es durchaus gewisse Chancen. ftz-Magazin: In dieser Ausgabe des ftz-Magazins erscheint Dein Artikel "Mailboxnetzwerke im Umweltschutz". Dieser ist nun schon etwa eineinhalb Jahre alt. Was hat sich seither ver„ndert? Wolfgang Schr”der: Generell muá man eigentlich sagen, daá die Trends, die in dem Artikel angedeutet werden, sich verst„rkt ha- ben. Das heiát, wir haben heute im Grunde bessere Technik mit schnelleren Rechnern und mehr Nutzer. Verst„rkt haben sich ei- gentlich die Probleme. Das habe ich wohl in dem Artikel nicht so angedeutet. Es wird eben in Bezug auf die Organisation des gesam- ten Computernetzes, in dem wir ja nur ein kleiner Teil sind, ver- mehrt ber Strukturen gestritten. Bisher wurden leider auch keine vernnftigen geschaffen. Beispielsweise ist der Verein ComLink, der ursprnglich als Dachverband der Netz-Vernetzer gedacht und geplant war, jetzt zu einem reinen Gate-Betreiber zu den inter- nationalen APC-Netzen degradiert [Gate = šbergang zwischen unter- schiedlichen technischen Netz-Strukturen. Anm. d. Red.]. ----------------------------------------------------------------- Dienstleistung statt Spiel- und Hobbybereich ----------------------------------------------------------------- ftz-Magazin: Welche Entwicklung w„re denn in Deinen Augen besser gewesen? Wolfgang Schr”der: Das ist schwer zu sagen. Es kommt natrlich immer darauf an, was man machen will, und ich sehe das Problem bei den Netzen gegenw„rtig darin, daá sehr unterschiedliche Leute an einem Strang ziehen - aber in verschiedene Richtungen. Das heiát, es máte meiner Meinung nach klarer definiert werden, wer was will. Und wenn wir die Umweltbewegung untersttzen wollen, dann kann das nur mit einer Technik funktionieren, die m”glichst anwenderfreundlich ist, die m”glichst wenig Probleme bereitet, und die vor allen Dingen zuverl„ssig ist. Die Ans„tze dieser bis- herigen Technik aus dem CCC-Bereich [CCC = Chaos Computer Club. Anm. d. Red.] waren ursprnglich 'mal ganz lustig. Ich denke je- doch, heute sind sie nicht mehr oder nur sehr begrenzt zu ber- tragen. Wir brauchen mehr einen Dienstleistungs- als einen Spiel- und Hobbybereich. Ein Umweltverein hat n„mlich wenig davon, wenn er einem tollen Ethos der Computerfreaks nachjagt. Er braucht eher einen Service, der so gut oder noch besser funktioniert als beispielsweise der der Post. ftz-Magazin: Es heiát, es bestehe eine enge Zusammenarbeit mit dem Freien Telekommunikations-Zentrum Hamburg e.V. Wie stellt sich die Zusammenarbeit dar, und was sind die Probleme? Gibt es eine Konkurrenz? Wolfgang Schr”der: Also Konkurrenz zum ftz gibt es mit Sicherheit nicht! Manchmal m”chte ich sogar vom Gegenteil reden. Ich bin froh, daá wir Mitstreiter haben, und denke, daá es in diesem Fall eine sehr gute und fruchtbare Zusammenarbeit gibt, da wir auch sehr viele pers”nliche Kontakte haben und im Grunde genommen aus der ganzen Geschichte der Vernetzung in Hamburg heraus sehr viele Parallelen haben. Von daher muá ich ganz klar sagen, daá ich sehr erfreut bin, daá Mensch Umwelt Technik nicht die einzige Anlauf- stelle in Hamburg ist, bei der Leute ankommen, die irgendwas ber Netze erfahren wollen. ftz-Magazin: Nun betreibt Mensch Umwelt Technik, wie Du bereits gesagt hast, die UMWELT-Mailbox. Sie ist ein kleiner Knoten im ganz groáen, weltweiten Netz bzw. in den weltweiten Netzen. Ist nun die Spezialisierung auf ein bestimmtes Thema sinnvoll, oder werden solche Systeme von den groáen Gemischtwarenl„den ver- dr„ngt? Wolfgang Schr”der: Also, ich denke, daá die Spezialisierung auf jeden Fall sinnvoll ist. Der Umweltschutz, und vor allen Dingen unsere - in Anfhrungsstrichen - "Kunden" haben eben sehr spe- zielle Interessen. Und fr die ist eine Vierfruchtmarmeladen- Mailbox eben weniger interessant. Und umgekehrt wird das Thema Umwelt den durchschnittlichen Mailbox-User wohl ziemlich langwei- len. Es ist also eine Spezialisierung sinnvoll, weil in dem gan- zen Chaos der Mailboxen und Themenrubriken - wie gesagt - sehr unterschiedliche Interessen zusammenkommen, und es ist daher wichtig, die speziellen Interessen der Umweltleute zusammenzu- bringen, als sie mit - was weiá ich - Surfern oder Golf-Fahrern in einem Netz unterzubringen. ftz-Magazin: Ist denn die Anzahl der Umwelt-Interessierten, der Aktiven in diesem Bereich, schon ausreichend, um dieses Netz wirklich sinnvoll nutzen zu k”nnen? Worin liegt der Nutzen gene- rell? Wolfgang Schr”der: Ich denke, man muá da einen Unterschied zwi- schen Qualit„t und Quantit„t machen. Und - ich sagte das vorhin schon - wir sehen uns mehr als diejenigen, die langfristig pla- nen, die Fundamente fr die Zukunft bauen. Bisher sind die An- s„tze eher bescheiden. Und ich denke: Das, was die Umweltbewegung so macht, steht in keinem Verh„ltnis zu dem technischen Aufwand, der derzeit betrieben wird. Da k”nnte mit wenigen Systemen sicher viel effektiver gearbeitet werden, was allerdings derzeit durch die "Netzgemeinde" nicht gewnscht wird. Langfristig denke ich schon, daá die Nutzung so stark zunehmen wird, daá eine Vielzahl von spezialisierten Systemen eine Chance haben wird, sofern man nicht groáe Systeme hat, die soviel Service bieten, daá die auch sehr speziellen Interessen gerecht werden k”nnen. ----------------------------------------------------------------- Systeme mit Qualit„t werden sich durchsetzen. ----------------------------------------------------------------- ftz-Magazin: Wird das kostendeckend sein? Wolfgang Schr”der: Bisher war es ja sehr beliebt, "kostendeckend" als Finanzierung der Hardware und Telefonkosten zu definieren. Ich denke, man muá langfristig weiter gehen. Wenn ich von Pro- fessionalit„t und Dienstleistung spreche, dann kann ich eigent- lich nicht erwarten, daá Leute ewig fr ein freundliches L„cheln die Systeme warten und sich mit einer letztlich im Grunde genom- men ekelig primitiven Technik abgeben... ftz-Magazin: ...wie es gegenw„rtig der Fall ist. Wolfgang Schr”der: Ja, wie sie gegenw„rtig benutzt wird! Das heiát, es muá zum einen erreicht werden, daá wir weniger Handar- beit fr die einzelnen Systembetreuer haben. Es muá andererseits aber berlegt werden, wie diese T„tigkeit vergtet wird, und ich denke, es ist sehr davon abh„ngig, wie die zuknftigen Strukturen aussehen werden. Es wird sicher nicht m”glich sein, daá jeder, der irgendwo eine Mailbox betreibt, diese vollst„ndig finanzieren kann. Ich denke aber schon, daá sich Systeme mit gewisser Quali- t„t durchsetzen werden, und dann auch so akzeptiert werden, daá sie jemanden bezahlen k”nnen, der fr alle Arbeiten zust„ndig ist. Die Idee des Netzes besteht fr mich darin, daá man nicht nur groáe, zentrale Strukturen schafft, sondern eben auch Spezia- listen, um unterschiedlich spezialisierte Organisationen zusam- menzubringen. ftz-Magazin: Aber ist da nicht doch ein Widerspruch? Einerseits groáe Systeme, die kostendeckend arbeiten, andererseits kleine, spezialisierte: Wie soll das zusammenfinden? Wolfgang Schr”der: Ich denke, es gibt eben zwei M”glichkeiten. Das eine sind eben relativ spezialisierte Bereiche wie z.B. Um- weltgruppen. Das anderen sind diejenigen, die durch ihr hohes Niveau vielleicht auch ihre Kosten wieder hereinbekommen. Die an- dere M”glichkeit ist, ber die breite Masse zu gehen, um m”g- lichst viele User zu beglcken, die eventuell weniger zahlen und dafr auch mit mehr Quantit„t als mit Qualit„t eben erschlagen werden. Von daher sehe ich da nicht unbedingt einen Widerspruch einer Verbindung von kleinen, spezialisierten Systemen und weni- gen groáen, die kostendeckend sind. Worauf ich allerdings hinaus will: Es ist h„ufig sinnvoller, wenn mehrere kleine Organisatio- nen gemeinsam arbeiten, als wenn man versucht, Orts- und Bundes- verb„nde aufzubauen, die schlieálich nur noch mit Verwaltung besch„ftigt sind und die Inhalte verdr„ngen! Vielleicht kann man hier einen Vergleich zu den Superm„rkten ziehen: Sie haben zwar sicher den wesentlichen Teil der "Tante-Emma-L„den" verdr„ngt. Sie werden es aber wohl nie schaffen, alle Spezialgesch„fte zu schlucken. Und ich schlieáe ja auch nicht aus, daá eine Trennung von zwei Mailboxen nur der šbersichtlichkeit wegen nach auáen erfolgt. Wenn wir erst gute Software haben, k”nnte man ja auch unterschiedliche Systeme mit geringem Aufwand auf einem Rechner unterbringen. ftz-Magazin: Wie siehst Du die Zukunft der Netze? Wolfgang Schr”der: Das ist im Grunde ein Thema fr ein eigenes Interview. Es ist sicher kein Kunststck mehr, heute vorherzusa- gen, daá die Zukunft hier erhebliche Ver„nderungen bringen wird. Im Mhle-Spiel verliert der Spieler mit den schwarzen Steinen bei einem guten Gegner automatisch den ersten Stein. Fr mich ist unabdingbar, daá wir mit den gegenw„rtigen Strukturen in Zukunft enorme Probleme bekommen werden - Probleme, die uns wahrschein- lich genauso Verluste aufzwingen. Bereits hier bin ich aber einsamer Rufer in der Wste. Die Zukunft der Netze scheint gegenw„rtig kein Thema zu sein. Das ist letztlich die gleiche Ignoranz und Bequemlichkeit wie bei den Umweltproblemen. ----------------------------------------------------------------- Schlieálich ein belangloses Programm mit Werbebl”cken? ----------------------------------------------------------------- Eigentlich geht es aber um mehr. Es geht um den Umgang mit Infor- mationen. Wir werden heute fast ausschlieálich nur noch mit Sekund„rinformationen bzw. indirekt mit Ereignissen konfrontiert. Wenn heute jede zweite Sekunde ein Kind verhungert, mssen wir uns klarmachen, daá dies auch passiert, wenn wir den Monitor, der diese Information bermittelt, ausschalten. Wir sollten berle- gen, ob wir ein weiteres Medium schaffen, daá uns ein bunt- belangloses Programm zwischen den Werbebl”cken bringt, oder ob wir ein Werkzeug schaffen, das uns vielleicht ein wenig behilf- lich sein kann, wenn es darum geht, Probleme der Zukunft zu be- w„ltigen. Noch k”nnen wir w„hlen. ftz-Magazin: Wolfgang, wir danken Dir fr dieses Gespr„ch. Einigung im Streit deutscher NGO-Netzwerke ----------------------------------------------------------------- Ein Kommentar von Jrgen Wieckmann > Comlink jetzt Anbietergemeinschaft der APC in Deutschland > Neue Gebhrenstruktur fr APC-Dienste ab 1.8.93 > Dezentrales Netzmodell vereinsrechtlich abgesichert Hannover/Hamburg, 7.5.93 (e.mp) - ,,Die Kuh ist vom Eis'', sagte ein Teilnehmer am Rande der Mitgliederversammlung des Com- link e.V. am 2.5. in Hannover. Zentraler Punkt der Sitzung war die Frage, ob der Comlink e.V. ein Dachverband deutscher NGO- Netze [NGO = Non Governmental Organization. Anm. d. Red.] oder schwerpunktm„áig eine Anbietergemeinschaft der Association for Progressive Communication (APC) in Deutschland sein soll. Erst im zweiten Anlauf erhielt eine entsprechende Satzungs„nderung die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit. Die ersatzlose Streichung des Dachverbandsstatus aus der Comlink-Satzung erreichte bei der ersten Abstimmung mit acht Ja-, vier Nein-Stimmen und einer Ent- haltung keine Mehrheit. Hinter der formalen Abstimmung verbirgt sich ein ber zwei Jahre andauernder Disput ber knftige Strukturen deutscher NGO-Netze. In einem Land mit f”deralen Traditionen bleiben Auseinanderset- zungen ber die Macht potentieller Zentralen und das Selbstbe- stimmungsrecht in Regionen nicht aus. Doch streckenweise erin- nerte die Debatte fatal an ergebnislos erscheinende und ermdende Diskussionen der Europ„ischen Gemeinschaft. Gleichwohl drften die politisch ambitionierten Netze in Deutschland ihre erste Feu- ertaufe berstanden haben. Der aus den 80er Jahren stammende Anspruch, Computernetze fr neue und offene Formen der Demokratie zu nutzen, wurde mit "deutscher Grndlichkeit durchgezogen" - teilweise zum Nachteil des Images aller Beteiligten. Vielfach erinnerte die Debatte an mediale Inszenierungen privater Fernsehsender, wie beispielsweise "Heiáer Stuhl" (RTL) oder "Einspruch" (SAT.1). Beide Sendungen leben davon, weniger die Sachdebatte zu fhren, sondern m”glichst kontrovers den Krach zu inszenieren. Urschrei-Therapie und Publi- zistik gehen eine neuartige Symbiose ein. Hinter vorgehaltener Hand wird auch von Protagonisten der NGO-Netze zugegeben, daá ”f- fentliche Schlammschlachten die Einschaltquoten einzelner Rubri- ken erh”hen. Zu hoffen bleibt, daá in Zukunft intelligentere M”glichkeiten praktikabel werden, um Menschen zum Interesse und Engagement zu bewegen. Der APC-Leitspruch: "Handele lokal, denke global" k”nnte die Richtung weisen. Dennoch meine ich, daá der Streit notwendig und m”glicherweise heilsam war. Schlieálich ging es um mehr als nur um Vereine, Zentralen, Dezentralen, Netzpromis, Finanzen und Rubriken. Hier stieá eine internationale Netzorganisation, die APC, auf tradi- tionsreiche Netzstrukturen in Deutschland, die sich von denen anderer L„nder erheblich unterscheiden. Bedenkt man, daá APC weltweit mit derzeit elf Hauptknoten arbeitet, allein in Deutsch- land nach Angabe der Fachzeitschrift PC-Netze weit mehr als 1000 Mailbox-Systeme existieren, l„át sich erahnen, mit welchen logi- stischen, technischen und auch administrativen Problemen die APC in Deutschland konfrontiert ist. Dies alles l„át sich durch guten Willen aller Beteiligten mit Sicherheit organisieren. Der wunde Punkt liegt tiefer, n„mlich in der Philosophie des deutschen Netzwesens. Das Engagement, die Mhsal mit der Technik und die in die Millionen gehenden Inve- stitionen privater Mailboxbetreiber beruht auf dem allgemeinen Grundverst„ndnis, Daten und Informatioenn jedem frei zug„nglich zu machen. Frei heiát vielfach auch kostenlos, zumindest aber weit unterhalb der Selbstkosten. Bereits im letzten Jahr kndigte der Comlink e.V. an, zum 1.8.93 eine nutzerbezogene APC-Gebhr einzufhren, die sich an interna- tionale Gepflogenheiten der APC orientiert. Eine Gebhrenpolitik, die sicher noch gew”hnungsbedrftig ist, denn in der praktischen Umsetzung bedeutet dies, daá eine Betreibergemeinschaft, die APC vorh„lt, diese Daten nur jenen zug„nglich machen darf, die eingetragene Netzteilnehmer der APC sind. Eine frwahr bittere Pille, die dem fundamentalen Grundverst„ndnis des deutschen Netz- wesens widerspricht, Informationen allen zug„nglich zu machen. Doch die Realit„t fordert nunmal ihren Tribut. Nach APC-Charta soll das Netz nicht zuletzt aus Grnden der finanziellen Unabh„ngigkeit durch Usergebhren von den Teilneh- mern finanziert werden. Darberhinaus wird zwar nicht verlangt aber erwartet, daá APC-Organisationen in reichen L„ndern gengend Geldmittel aufbringen, um Netzinfrastruktur in L„ndern der soge- nannten Dritten Welt mitzufinanzieren. Damit diese Pille nicht ganz so bitter schmeckt, verband der deutsche APC-Anbieter seine Gebhren mit einer Finanzierungs- struktur fr lokale APC-Anbieter. Entsprechend verbleiben 50 Pro- zent der APC-Usergebhr bei den Betreibergemeinschaften vor Ort. Gleichzeitig wurde eine rechtliche und administrative Trennung zum CL-Verbund vollzogen, so daá dieser in seiner Netzpolitik nicht zwangsl„ufig den Verbreitungsbedingungen der APC folgen braucht. Vorgesehen ist, im Rahmen des CL-Verbundes sogenannte APC-Schnupperrubriken anzubieten, damit sich interessierte aber noch unentschlossene Nutzer vor offizieller Teilnahme ber APC- Dienste informieren k”nnen. Vieles wird nun auch davon abh„ngen, daá die APC in Deutschland bekannter wird und Nutzer gewinnt. Das drfte weniger eine Frage des Geldes sein, denn fr private Teilnehmer bleibt APC mit 15,-- Mark pro Monat nach wie vor extrem preiswert. Studenten, Arbeits- lose und Sozialhilfeempf„nger zahlen sogar nur 10,-- Mark pro Monat. Aber wie w„re es, wenn Sie, verehrter Leser, einem guten Freund oder Freundin zum n„chsten Geburtstag ein APC-Jahresabo schenken wrden? Oder vielleicht ihrem Sohn oder ihrer Tochter? - Und sei es nur zur praxisorientierten Erweiterung des Englisch- oder Spanisch-Unterrichts. Das sollte es doch allemal wert sein! (c) 1993 eMail-Press, Martinroda Abdruckrechte und Verbreitung frei, Verkauf untersagt Tageszeitung "Junge Welt" jetzt ber Mailbox erh„ltlich! ----------------------------------------------------------------- Von Hermann-Dieter Schr”der Seit Mitte Juli diesen Jahres bietet u.a. die vom Freien Telekom- munikations-Zentrum Hamburg e.V. betriebene Mailbox "Comlink- Hamburg" (cl-hh) die in Berlin erscheinende Tageszeitung "Junge Welt" in elektronischer Form an. Alle User der cl-hh haben damit die Option, die Texte der "Jungen Welt" mittels Modem auf ihren eigenen Computer zu bertragen. Der groáe Vorteil: Es ist schnel- ler und billiger als am Kiosk! Jeden Abend etwa gegen 20 Uhr - also wesentlich frher als die Zeitung in Papierform am Kiosk erh„ltlich ist - wird sie direkt aus Berlin in die Mailbox cl-hh berspielt und ist von dort aus sofort ber die Themenrubriken /JUNGE.WELT/* abrufbar. Und nicht nur dies. Aufgrund der Mailbox-Technik ist es jedem Leser sofort m”glich, Leserbriefe an die Redaktion in Berlin abzusetzen. Weiterhin k”nnen die Leser in einer eigens eingerichteten Diskus- sionsrubrik ihre Meinungen ber Artikel oder andere Gegenst„nde austauschen. Am einfachsten ist dies fr den Nutzer, wenn ihm der Arbeitsaufwand der Mailbox-Bedienung durch eine sogenannte "Point-Software" wesentlich erleichtert wird. Eine solche Soft- ware (mit der selbstverst„ndlich auch alle anderen Angebote der cl-hh genutzt werden k”nnen) gibt es derzeit fr nahezu jedes Personal-Computer-Fabrikat als Share-ware-Programm. Bis Ende Juli konnte die "Junge Welt" als Einfhrungsangebot von allen Usern der cl-hh kostenlos bezogen werden. Seit dem 1. August werden die Texte nur noch an Abonnenten abgegeben. Dennoch ist der Bezug der "Jungen Welt" ber Mailbox gnstiger als am Kiosk. Der Preis betr„gt derzeit 19,80 DM, erm„áigt nur 14,80 DM pro Monat. Das Abonnement kann bei der Firma "Info Pool Network" in Berlin bestellt werden und wird auch dort be- zahlt. Interessenten wenden sich bitte per Telefon (030 / 693 22 38) an Kai Metzner oder Carsten Wigrefe oder schicken einen elektronischen Brief an die PM-Netz-Adresse . Ein Bestellformular ist auch in der Themenrubrik /JUNGE.WELT/!WICHTIG abrufbar. Die Hamburger Mailbox cl-hh wrde sich freuen, wenn dieses neue Informations-Angebot, das wohl als elektronische Pionierarbeit bezeichnet werden muá, auf breites Interesse st”át. Hier ist eine Tageszeitung nicht mehr nur Konsumprodukt, sondern hat die Chance, zusammen mit den Leserinnen und Lesern zu einem wirkli- chen sozialen System zu verschmelzen. Schon heute an den Selbst- verst„ndlichkeiten von morgen teilnehmen und durch neue Konzepte die besten Verbindungen schaffen: Das ist das ausgesprochene Ziel des Freien Telekommunikations-Zentrums Hamburg. Der Verein ist somit auch jederzeit fr Hinweise und Vorschl„ge zur Verbesserung seiner Arbeit dankbar. Der Diplom-Soziologe Hermann-Dieter Schr”der ist wissenschaftli- cher Referent am Hans-Bredow-Institut fr Rundfunk und Fernsehen an der Universit„t Hamburg. ----------------------------------------------------------------- Dies ist die Disketten-Ausgabe des ftz-Magazins. Das ftz-Magazin erscheint unregelm„áig und will allen Interessierten ein Bild von den M”glichkeiten weltweiter elektronischer Brgernetze vermit- teln und zur Teilnahme einladen. Der Abdruck von Artikeln aus dem ftz-Magazin ist mit Quellenangabe und gegen Belegexemplar frei. Alle Ausgaben des ftz-Magazins sind auch auf Papier gedruckt er- h„ltlich. Fragen Sie uns! Freies Telekommunikations-Zentrum Hamburg e.V. ------------------ Klaus-Groth-Str. 84 Telefon : 040 / 250 03 00 20535 Hamburg Telefax : 040 / 41 78 70 Mailbox : 040 / 250 08 90 Postgiroamt Hamburg Z-Netz : FTZ-EV@CL-HH.ZER BLZ 200 100 20 Kto 1943-208 Internet: ftz-ev@cl-hh.comlink.de Verantwortlich fr das ftz-Magazin: Frank M”ller -----------------------------------------------------------------