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April 1993 ftzmgz01.txt ----------------------------------------------------------------- Vom Ritt auf der Schockwelle zur kulturintegrierenden Kommunikation Wie ein Computernetz funktioniert Die Informationsangebote im System "Sich nicht zwingen lassen!" - Ein Gespr„ch mit Jan Schreiber ----------------------------------------------------------------- Vom Ritt auf der Schockwelle zur kulturintegrierenden Kommunikation ----------------------------------------------------------------- Das Freie Telekommunikations-Zentrum Hamburg e.V. schafft Verbin- dungen zwischen Menschen aus Brgerinitiativen, Universit„ten, Medien, Parteien, staatlichen Stellen, Unternehmen, Kulturprojek- ten, Forschungsinstituten, Kirchen, Schulen... Von Frank M”ller An Krisen mangelt es unserer Zeit wahrlich nicht. Es wird mit je- dem Tag deutlicher, daá wir uns der Zukunft in allen Bereichen des Lebens mit neuen Ideen und Taten stellen mssen, wenn unsere derzeitige Lebensqualit„t nicht Schaden nehmen soll. šberhaupt stellt sich immer dr„ngender die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Die ”ffentliche Diskussion verunsichert uns mit der Behauptung, es mangele an Fantasie, Kreativit„t und dem Willen, die anstehenden Problemen ins Auge zu fassen - ein Vorwurf, der besonders die junge Generation trifft. Doch wie soll sich Kreativit„t entfalten, wenn Menschen in immer differenzierteren und vor allem sehr eingefahrenen Strukturen handeln mssen? Neue Perspektiven werden sich nur dann wirklich entfalten k”nnen, wenn wir neue Wege der Kommunikation ”ffnen. Denn eine Idee ntzt wenig, wenn sie zwar ausgestreut wird, aber aufgrund des Einweg-Charakters bekannter Medien kaum die fr ihr fruchtbares Wirken so wichtige Rckmeldung finden kann. Sind Computernetze kreativ? Aus solchen Gedanken ist das Freie Telekommunikations-Zentrum Hamburg e.V. (ftz) vor fast zwei Jahren entstanden. Hamburger Studenten und Journalisten fanden sich in der šberzeugung zusam- men, daá die gegenw„rtig verfgbaren Mittel der elektronischen Kommunikation in der Lage sind, Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen miteinander zu verbinden und kreative Kr„fte freizuset- zen. Eine kleine Erweiterung des weit verbreiteten Arbeitsmittels Personal Computer erreicht, daá Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen ber ihren Tellerrand hinausblicken und Kontakte an- knpfen, die vorher nicht zustande gekommen w„ren. Der Trick liegt in den Synergieeffekten, die entstehen, wenn Nachrichten geschwinde von Schreibtisch zu Schreibtisch fortgetragen werden. Das klingt zun„chst abstrakt, wird aber bei einem Blick auf die Geschichte der weitr„umigen Vernetzung von Tisch-Computern deut- licher. Schon in den siebziger Jahren begannen technikbegeisterte Freaks in den Vereinigten Staaten damit, Computerprogramme, Daten und Nachrichten von Computer zu Computer ber das Telefonnetz auszutauschen. Schnell erkannten sie, daá bei Automatisierung des Verfahrens eine nahezu unbegrenzte Zahl von Teilnehmern m”glich wird. Die Schockwelle der Verbreitung von preisgnstigen Personal Computern fhrte dann zu einem schnellen Wachstum der Vernetzung. Wenig sp„ter erkannte auch die ™kologiebewegung, daá ihr diese Technik zum schnellen und effizienten Informationsaustausch die- nen konnte. Heute bestehen auch hierzulande nichtkommerzielle Datennetze, die l„ngst mehr als Computerwissen transportieren. Das deutsch- sprachige Brgernetz fr politische Informationen ist das Com- Link, ber dessen Netz-Infrastruktur zus„tzlich die Kommunika- tionsm”glichkeiten des internationalen Computernetzwerk-Verbundes Association for Progressive Communications (APC) zur Verfgung gestellt werden. In hunderten von Themenrubriken, die wohl alle Lebensbereiche von Medien, Politik, Wirtschaft, Recht, Freizeit, Kultur, Verbraucherschutz usw. umfassen, werden Informationen ausgetauscht und Diskussionen gefhrt. Das selbst gesetzte Ziel des Freien Telekommunikations-Zentrums Hamburg ist nun, die Existenz dieser Netze einer breiteren ™ffentlichkeit bekanntzu- machen und interessierte Brgerinnen und Brger fr diese zu gewinnen. Nur wenn die Kommunikationsnetze st„rker als bisher ber den Bereich der Computerfreaks hinauswachsen, wird ein wirklich ”ffentliches Medium entstehen, das in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu einem konstruktiven Mittel des Informationsaustauschs wird. Psychische Hemmschwellen? Daá dies bereits gelungen ist, zeigt ein Blick auf die Teilnehmer des vom ftz betriebenen elektronischen Kommunikationssystems. Es sind zun„chst Studenten verschiedenster Fachrichtungen sowie Journalisten (vom Zeitgeistmagazin bis zur feinen Wochenzeitung). Darber hinaus sind verschiedene Vereine wie der Bund fr Umwelt und Naturschutz und die Arbeitsgemeinschaft kritischer Polizisten Hamburger Signal e.V. genauso pr„sent wie der Studentenausschuá der Universit„t Hamburg, die Jungsozialisten, die Grn Alterna- tive Liste und Mittelamerikagruppen. Mitarbeiter der Hochschule fr bildende Knste und des Hans-Bredow-Instituts fr Rundfunk und Fernsehen nutzen das neue Medium ebenso wie ein Zivildienst- beauftragter, mehrere Schler, ein P„dagoge aus der Lehrerfort- bildung und ein Abteilungsleiter beim Hamburgischen Datenschutz- beauftragten. Weiterhin sind Werbegraphiker und Desktop- Publisher, ein Fachmann fr Computerschulung und ein Mitarbeiter der Telekommunikationsindustrie zu nennen. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit Mensch-Umwelt-Technik e.V. Mit der ausfhrlichen Aufz„hlung ist bewiesen, daá elektronische Kommunikation l„ngst nicht mehr Computerspezialisten oder Freaks vorbehalten ist. Wie einfach die Nutzung eines Informationsnetzes tats„chlich ist, zeigt die Beschreibung im Infoblock "Wie ein Computernetz funktioniert". Das Freie Telekommunikations-Zentrum Hamburg steht - wie angedeutet - allen Brgerinnen und Brgern offen und arbeitet uneigenntzig. Um Interessenten an die Technik heranzufhren, werden in unregelm„áigen Abst„nden Seminare durch- gefhrt. Beratung und technische Hilfestellung wird durch groáen Einsatz der Mitglieder st„ndig geleistet. Weitere Ziele des ftz, das auf seine Unabh„ngigkeit und šberpar- teilichkeit Wert legt, sind die F”rderung projektorientierter Nutzung des Kommunikationsnetzes und die Vermittlung publizisti- schen Grundwissens. Letzteres ist von Bedeutung, um ein vorwie- gend an Texten orientiertes Medium effizient nutzen zu k”nnen. Ebenfalls wird in der Untersttzung wissenschaftlicher Projekte, die sich mit brgerorientierter Kommunikationstechnik besch„fti- gen, eine wichtige Aufgabe gesehen. Die Erforschung neuer, menschengerechter Prinzipien in der Technikanwendung sollte wei- ter vorangetrieben werden. Das ftz selbst besch„ftigt sich in diesem Bereich mit der Fortentwicklung von Kommunikationssoftware auf mehrprogrammverarbeitenden Rechner-Betriebssystemen. Der Einstieg in elektronische Kommunikation stellt fr Anf„nger brigens keine gr”áere Aufgabe dar als das Erlernen der Bedienung eines Textverarbeitungssystems. H„ufig stellen psychische Hrden ein viel gr”áeres Problem dar. Verbreitet ist auch das Miáver- st„ndnis, bei einem ”ffentlichen Computernetz handele es sich um eine Art von Datenbank. Das Vorhalten von Informationen ist aber eine eher unbedeutende Teilfunktion des Systems, denn in erster Linie handelt es sich um ein lebendiges und aktuelles Kommunika- tionsmedium, das beliebige Dateien von Arbeitsplatzrechner zu Arbeitsplatzrechner bertr„gt. Eine Datenbank entsteht erst in dem Moment, wo ein Nutzer die an seinem eigenen Personal Computer eintreffenden Nachrichten nach eigenen Kriterien systematisch speichert. Tausende von Sonnen? Aktuelle Informationen treffen also t„glich, ja stndlich ein, und sie sind nachprfbar, weil die Absender ber das Netz direkt angesprochen und befragt werden k”nnen. Der Wissensschatz aller Anwender steht also durch die direkte gegenseitige Verbindung jederzeit zur Verfgung, was h„ufig auch zu netzweiten Diskussio- nen zu bestimmten Themen fhrt. In den lokalen Themenrubriken sind dabei mehrere Hundert, in weltweit verbreiteten hingegen viele Tausend Benutzer erreichbar. Und gerade die Zahl kompeten- ter Informationsanbieter w„chst st„ndig. So trafen w„hrend der Umwelt- und Entwicklungskonferenz in Rio de Janeiro im Juni 1992 zahlreiche Beitr„ge der sogenannten Nicht- Regierungsorganisationen auch beim Computernetzknoten des ftz ein. Gerade diese Organisationen, die selbst nach Meinung von Diplomaten l„ngst als neuer Faktor in der internationalen Politik etabliert sind, stellen fr die ”ffentliche Diskussion eine immer bedeutendere Informationsquelle dar. Es wartet also ein fast unersch”pfliches Reservoir von Themen, das nur darauf wartet, ausgegraben und aufgegriffen zu werden. Und der groáe Vorteil der Informationen aus dem Netz besteht gerade darin, daá ihre Urheber fr Nachfragen jederzeit schnell und unkompliziert - eben ber das Netz - erreichbar sind. Bei der Arbeit des ftz hat sich gezeigt, daá es nicht einfach ist, die Leistungen eines Computernetzes in einer leider noch weitgehend unwissenden ™ffentlichkeit darzustellen: Zu fan- tastisch sind die M”glichkeiten elektronischer Kommunikation, als daá man demjenigen glauben wrde, der davon berichtet. Wer es dennoch versucht, der fhlt, wie es einem Giordano Bruno ergangen sein mag, als er seinerzeit behauptete, all die funkelnden Sterne seien ebenso Sonnen wie die unsere. - Doch l„át man Interessen- tinnen oder Interessenten erst "durch's Fernrohr schauen", so sind sie spontan begeistert und begreifen sehr schnell, wovon vorher nur abstrakt Rede war. Genau hier liegt die groáe Herausforderung fr das Freie Telekom- munikations-Zentrum Hamburg. Zwar ist die bundes- und weltweite Kommunikation technisch gew„hrleistet, doch kostet es die Betrei- ber groáe Anstrengungen, diejenigen Personengruppen an das Medium heranzufhren, die es sinnvoll nutzen k”nnten, aber noch keine Kenntnis davon haben. Hier k„me es darauf an, Einfhrungsveran- staltungen und Schulungen regelm„áig anbieten zu k”nnen, um das Ziel eines erweiterten Kreises interessierter Nutzerinnen und Nutzer zu erreichen. Da die Mitglieder des Freien Telekommunika- tions-Zentrums Hamburg ihre Arbeit (neben Schule, Studium oder Beruf) ehrenamtlich erbringen, und die Beitr„ge der Nutzer zur Zeit kaum die Kosten fr die technische Ausstattung decken, h„ngt vieles von der groáen Motivation aller Beteiligten ab. Zwar hat das ftz derzeit einen Raum gemietet, doch ist dessen Finanzierung durchaus nicht gesichert. Nur durch zus„tzliche Finanzquellen (eine Erh”hung der derzeitigen Benutzergebhren wird jedenfalls unumg„nglich sein) k”nnte das ftz die einmalige Chance verwirklichen, Menschen aus unterschiedlichsten Zusammen- h„ngen durch das Arbeitsmittel des Personal Computers miteinander in Kontakt zu bringen und so zu neuen Projekten anzuregen. Hier sind ”ffentliche und private Geldgeber gefordert, die zukunfts- weisende Bedeutung des neuen Mediums zu erkennen und zu f”rdern. Gleichzeitig l„dt das Freie Telekommunikations-Zentrum Hamburg alle Interessierten ein, Nutzer des elektronischen Kommunika- tionsmittels zu werden, oder mitzumachen als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter des Teams. Literatur Howard H. Frederick: Global Communication and International Relations. Belmont, Cal.: Wadsworth 1993, 287 pp., 18,95 $ Martin Goldmann/Gabriele Hooffacker: Politisch arbeiten mit dem Computer. Reinbek: Rowohlt 1991, 249 S., DM 16,80 Dieter Gr”nling: Elektronische N„chte. Die Welt der Mailboxen und Computernetze. Frankfurt: Fischer 1992, 384 S., DM 16,90 Michael Keukert: Schoá- und H”llenhunde. Die schillernde Welt der privaten Netzwerke in Deutschland. c't Magazin fr Computertech- nik Nr. 3/1991, S. 42-55 Michael Keukert/Michael Wilde: DFš-Referenz. Abkrzungen, Begrif- fe und Signale fr den Modem-Anwender. c't Magazin fr Computer- technik Nr. 3/1991, S. 199-205 Frank M”ller: Computernetze in Europa. Die Suche nach Strukturen zuknftiger Kommunikation. Hamburg: Fileserver Mailbox CL-HH 1992 Wie ein Computernetz funktioniert ----------------------------------------------------------------- Stellen wir uns einen Hamburger Journalisten vor, der ber Ausl„nderfeindlichkeit schreiben will. Zur Beschaffung von Infor- mationen bedient er sich u.a. seines Anschlusses beim Freien Telekommunikations-Zentrum Hamburg e.V. (ftz). Beobachten wir seine Arbeit: An seinem handelsblichen Personal Computer ruft er die Computernetz-Adresse einer ihm gut bekannten Professorin fr Psychologie in Berlin auf und schreibt ihr mit seinem gewohnten Textverarbeitungsprogramm einen kurzen Brief mit der Bitte um Zusendung ihrer aktuellen Analysen. Anschlieáend formuliert er einen weiteren Text, der alle Netzteilnehmer in ganz Deutschland erreichen wird, sofern sie die vorhandene Themenrubrik zur Ausl„nderfeindlichkeit beziehen: Die Nachricht des Journalisten enth„lt die Frage, ob Netzteilnehmern in jngster Zeit in ihren jeweiligen Wohnorten Ausschreitungen gegen Ausl„nder bekannt geworden sind. (In den Agenturmeldungen ist es verd„chtig ruhig.) Beide Texte befinden sich jetzt noch ausschlieálich im Computer des Journalisten, genauer: auf der Festspeicherplatte. Und erst jetzt schaltet der Journalist sein Modem ein, nimmt die Computer- maus und zeigt auf das Feld "W„hlen". Das Modem (Modulator- Demodulator) verbindet den Computer mit dem heimischen Telefonan- schluá (der selbstverst„ndlich auch fr normale Telefongespr„che weitergenutzt werden kann). Das Modem w„hlt jetzt also selbst„n- dig die Telefonnummer des ftz-Rechners. An der dortigen Leitung befindet sich ebenfalls ein (verh„ltnism„áig leistungsf„higer) Personal Computer, der rund um die Uhr als elektronischer Briefkasten t„tig ist und "Anrufe" vieler Nutzerinnen und Nutzer v”llig automatisch entgegennimmt und bearbeitet. Steht die Telefonverbindung zwischen den beiden Rechnern, so beginnen diese mit dem Datenaustausch: Der pers”nliche Brief an die Professorin und die ”ffentliche Anfrage bezglich der Aus- schreitungen werden vom Computer des Journalisten an den Rechner des ftz bergeben. Anschlieáend erh„lt der Computer des Journali- sten alle ”ffentlichen und pers”nlichen Mitteilungen, die seit seiner letzten Verbindung fr ihn eingetroffen sind. Ist dies geschehen, so brechen die Computer die Verbindung selbst„tig ab. Da der Vorgang je nach Datenmenge von einigen Sekunden bis zu m”glicherweise fnf oder zehn Minuten gedauert hat (der Journa- list hat sich in dieser Zeit einen Tee gemacht und nach Keksen gesucht), kostet der Datenaustausch den Journalisten ein bis drei Gebhreneinheiten - seine Telefonrechnung erh”ht sich also ent- sprechend. Der erw„hnte Knotenrechner des ftz steht nun in regelm„áigem und vollautomatischem Datenaustausch mit anderen Knotenrechnern, die bei anderen Vereinen, Initiativen, Parteien oder Einzelpersonen in verschiedenen St„dten stehen. Auch hier erfolgt der Datenaus- tausch ber das herk”mmliche Telefonnetz oder neuerdings auch ber die digitalen ISDN-Verbindungen. Der pers”nliche Brief an die Berliner Professorin wird nach einem ausgeklgelten System ber einen m”glichst kurzen Weg von Netzknoten zu Netzknoten weitergereicht, bis er den Knotenrechner erreicht, mit dem die Empf„ngerin regelm„áig Verbindung aufnimmt; das kann unter Umst„nden schon nach einigen Stunden der Fall sein. W„hlt die Professorin ihren Knotenrechner an, so wird sie auch den Brief des Hamburger Journalisten erhalten. Der zweite Text, n„mlich die Anfrage bezglich ausl„nderfeind- licher Anschl„ge, wird im Rechner des ftz in Hamburg der vom Journalisten gew„hlten Themenrubrik zugeordnet und dann ebenfalls automatisiert weitergegeben. Im Gegensatz zum pers”nlichen Brief nach Berlin wird die Anfrage an alle vorhandenen Knoten weiterge- reicht (allein in der Bundesrepublik sind es mehrere Hundert). Die Nachricht wird also allen Nutzerinnen und Nutzern zug„nglich. Schon am folgenden Tag erh„lt der Hamburger Journalist ber das Computernetz einen Text seiner Berliner Bekannten auf den Bild- schirm - schlieálich hat die Weitergabe ihrer jngsten Analyse sie nur einige Handbewegungen mit der Computermaus gekostet. Weiterhin stellt der Journalist fest, daá Antworten auf seine ”ffentliche Anfrage eintreffen. Eine Gruppe von "Antifaschisten" aus Halle meldet - ebenfalls ”ffentlich und fr alle Netzteilneh- mer lesbar -, daá vor wenigen Tagen einige Skinheads vor einem Asylantenheim laute Musik gespielt haben, doch von Streifenpoli- zisten zum Nach-Hause-gehen berredet wurden. Ansonsten haben ernsthafte Anschl„ge - jedenfalls in Halle und Umgebung - nicht stattgefunden. Weiterhin hat sich ein Pfarrer aus Rostock gemeldet. Er „rgert sich, daá ber Anschl„ge in den letzten Monaten zwar viel berichtet wurde, eine von ihm organisierte friedliche Versammlung mit Lichterkette sei von den Medien jedoch ignoriert worden. Beigefgt hat er den Text eines Flugblatts, das um Verst„ndnis fr die in Rostock lebenden Ausl„nder wirbt und von dortigen Schlern verfaát und verteilt worden ist. Eine weitere Nachricht - sie stammt von einem Studenten aus Oldenburg - stimmt dem Unmut des Pfarrers zu, weist aber auch auf die Zw„nge hin, unter denen Journalisten wohl stehen. Einen Tag sp„ter dann erh„lt der Hamburger Journalist einen pers”nlichen Brief eines Londoner Kollegen, mit dem er seit einiger Zeit ber das Netz nach Art der klassischen Brieffreundschaft verbunden ist. Auch dieser will wissen, wie schlimm es mit dem Rechtsradikalismus in Deutschland denn jetzt noch sei. Das hier beschriebene Beispiel ist zwar konstruiert, doch ereig- nen sich vergleichbare Vorg„nge im Computernetz t„glich. Das Interesse und das Engagement aller Beteiligten ist groá. Die entstehenden Kosten fr die Nutzer sind dabei erstaunlich gering. Neben der geringfgig erh”hten Telefonrechnung wrde der genannte Journalist fr die beschriebenen Kommunikationsm”glichkeiten zur Zeit nur 20 Mark pro Monat an das Freie Telekommunikations- Zentrum Hamburg e.V. berweisen. fm (Die Beitr„ge "Vom Ritt auf der Schockwelle" und "Wie ein Compu- ternetz funktioniert" erscheinen auch in der von der Hamburger Kulturbeh”rde herausgegebenen Publikation "Medienzentren in Ham- burg". Frank M”ller studiert Politikwissenschaft und Informatik an der Universit„t Hamburg.) Die Informationsangebote im System ----------------------------------------------------------------- ™ffentliche Themenrubriken im šberblick Im folgenden stellen wir Dir die im System verfgbaren Rubriken kurz vor und verweisen auf eventuell verfgbare Informationsbret- ter, in denen Du Details erfahren kannst. In manchen Netzen gibt es sogar zu Beginn eines jeden Brettes einen Einleitungstext (Beispiel APC). Zu beachten ist, daá in bestimmten, unten gekennzeichneten Netzen der richtige Name ber dem Text erscheinen muá. In diesem Fall muát Du in die erste Zeile vor Deinem Text der Art "Realname: Vorname Nachname" einfgen, die von einer Leerzeile gefolgt wird. Dabei ist die korrekte Schreibweise und das Leerzeichen hinter dem Doppelpunkt wichtig. Wird der Realname nicht angegeben, so kann die Nachricht von der Zustellung ausgenommen und zurckge- schickt werden, es kann aber auch zu Beschwerden kommen! Die verfgbaren Rubriken haben wir in folgende Themenbereiche gegliedert: 1. Lokale Rubriken 2. Politisch-gesellschaftliche Rubriken 3. Rubriken von Organisationen 4. Usenet 5. Technische und allgemeine Rubriken 1. Lokale Rubriken ---------------------------------------------- 1.1. ARCHIV (lokal) ist eine lokale Rubrik, in der einige interessante Magazine u.„. mehr oder weniger regelm„áig archiviert werden. Haltezeit : unbegrenzt 1.2. CL-HH (lokal) Das Informations- und Austauschforum innerhalb der Box! Hier werden Neuerungen und Žnderungen des Systems vorgestellt, hier k”nnen sich die NutzerInnen untereinander austauschen und helfen. Haltezeit : unbegrenzt 1.3. PROGRAMME (lokal) Rubriken mit einem breiten Angebot an Software. Haltezeit : unbegrenzt 2. Politisch-gesellschaftliche Rubriken ------------------------- 2.1. APC (international) steht fr Association for Progressive Communications, in der das Freie Telekommunikations-Zentrum Hamburg e.V. ber den Verein ComLink e.V. Mitglied ist. Angeboten werden meist englisch- sprachige internationale Konferenzenm, die sich mit Themen wie Umwelt, Menschenrechte, Frieden und vielen mehr befassen. Informationsbrett: /APC/COMLINK/KOORDINATION Haltezeit : 61 Tage („ltere Daten als Backup verfgbar) Anmerkungen : Realnamepflicht 2.2. CL (national) deutschsprachige Rubrik fr politische Themen. Informationsbrett: /CL/!WICHTIG Haltezeit : unbegrenzt (alle Daten komplett verfgbar) 2.3. HAMBURG (lokal) Politische Themen im Hamburger Raum Haltezeit : 61 Tage 3. Rubriken von Organisationen oder zu speziellen Bereichen ----- 3.1. BUND (national) enth„lt die archivierten Informationen aus dem mittlerweile been- deten Versuch des BUND, eine eigene Brettstruktur aufzubauen. Haltezeit : unbegrenzt 3.2. C-NET (national) Brettstruktur des Chaos Computer Clubs. Haltezeit : 30 Tage 3.3. COMPAED (national) enth„lt detaillierte Bretter zu p„dagogischen Themengebieten. Informationsbrett: /COMPAED/!WICHTIG Haltezeit : unbegrenzt (alle Daten komplett verfgbar) 3.4. DISA (national) enth„lt detaillierte Bretter zu sozialp„dagogischen Themen. Informationsbrett: /DISA/INFORMATIONEN Haltezeit : unbegrenzt 3.5. GRUENE (national) Archivierte Informationen eines Vernetzungsprojektes der Partei DIE GRšNEN, welches zugunsten von CL beendet wurde. Haltezeit : unbegrenzt 3.6. MENSCH-UMWELT-TECHNIK (regional) Terminhinweise, Artikel und Informationen ber Organisationen aus dem Umweltbereich vom Verein Mensch-Umwelt-Technik e.V. Haltezeit : unbegrenzt 3.7. RECHTSWESEN (national) liefert juristische Informationen zu Alltagsthemen. Haltezeit : unbegrenzt 3.8. SCHULE (national) dient der Vernetzung von Schulen. Haltezeit : 30 Tage Anmerkungen : Realnamepflicht 4. Usenet (international) --------------------------------------- Das Usenet ist wohl das gr”áte Netzwerk der Welt. Wir bieten gegenw„rtig einen berschaubaren Teil davon an, der aber je nach Nachfrage (gegebenenfalls gegen Kostenbeteiligung) erweitert wer- den kann. Zugriff erh„lst Du gegen einen zus„tzlichen monatlichen Beitrag von fnf Mark, wenn Du das Freie Telekommunikations-Zentrum davon in Kenntnis setzt (per e-mail an BUCHHALTUNG). Du kannst dann ber den Bezug der Newsgroups hinaus international pers”nliche Mails empfangen und verschicken, erh„lst also eine im Usenet gltige Adresse. Genauere Informationen ber das Usenet sind im Brett /CL- HH/MATERIAL und in /NEWS/ANSWERS abrufbar. Die Haltezeit der Bretter liegt bei den internationalen Rubriken bei 7 Tagen. In allen Brettern besteht Realnamenpflicht. Bretter aus folgenden Rubriken sind derzeit verfgbar: 4.1. ALT ist eine alternative Unterstruktur, in der Bretter schnell und unbrokratisch eingerichtet werden. 4.2. BIONET befaát sich mit Themen aus dem Bereich Biologie. 4.3. BIT umfaát einen Ausschnitt aus den Brettern des Bitnets. 4.4. BIZ bietet kommerziellen Anbietern ein Forum. 4.5. COMP - Usenet-Rubrik fr technische Themen (Rechner, Be- triebssysteme, Programmiersprachen etc.) 4.6. NEWS - Verwaltungsrubrik des Usenets fr die komplette News hierarchie. Informationsbrett: /NEWS/NEWUSERS/QUESTIONS 4.7. REC - Themen aus dem Freizeitbereich 4.8. SCI - Wissenschaftliche Themen 4.9. SOC - Soziale und kulturelle Newsgruppen 4.10. TALK - Gesellschaftliche Themen im Usenet 5. Technische und allgemeine Rubriken (deutschsprachig) --------- 5.1. C'T (national) enth„lt ein Brett, das die Listings (Programm-Quelltexte) aus den c't-Magazinen transportiert und ein Diskussions-Forum, aus dem die c't-Redaktion Leserbriefe entnehmen kann. Haltezeit : 7 Tage 5.2. DE (national) ist der deutschsprachige Part des Usenets. Informationsbrett: /DE/NEWUSERS sowie /DE/NEWUSERS/QUESTIONS Haltezeit : 30 Tage Anmerkungen : Realnamepflicht 5.3. HANSE (regional) Regionalbereich von DE fr Hamburg und Schleswig-Holstein Informationsbrett: /HANSE/INFOS Haltezeit : 30 Tage Anmerkungen : Realnamepflicht 5.4. MAUS (national) repr„sentiert das MausNet, ein deutschsprachiges allgemeines Netz. Haltezeit : 30 Tage Anmerkungen : Realnamepflicht 5.5. NORD (regional) Regionaler Zusammenschluá von Maus- und Z-Netz-Mailboxen im Bereich Hamburg und Schleswig-Holstein Haltezeit : 30 Tage 5.6. NORTH (regional) Regionalbereich von DE fr den Nordwesten Deutschlands Haltezeit : 30 Tage Anmerkungen : Realnamepflicht 5.7. T-NETZ (national) Alternative Netzstruktur, zum Z-Netz geh”rig Haltezeit : sehr unterschiedlich (1 Tag bis unbegrenzt) 5.8. Z-NETZ (national) Allgemeines, deutschsprachiges Netz Informationsbrett: /Z-NETZ/!WICHTIG Haltezeit : 30 Tage dil "Sich nicht zwingen lassen!" ----------------------------------------------------------------- Fragen an Jan Schreiber, 22, Student der Informatik und Rechts- wissenschaft und Systembetreuer beim ftz e.V. ftz-Magazin: Wie bist Du zum ftz gekommen? Jan Schreiber: Ich hatte schon frh einen Computer, mit zw”lf den ersten. Und ich hatte vom Chaos-Computer-Club gelesen, bin dort hingegangen und habe ein Interview gemacht fr meine Schlerzei- tung. Ich fand das alles sehr abgefahren dort, und ich habe mir die ganzen "Hackerbibeln" und "Datenschleudern" mitgeben lassen und habe mir dann einen Akustik-Koppler gekauft. ftz-Magazin: Wann war das? Jan Schreiber: Das war 1987. Und nachdem ich angefangen hatte zu studieren, bin ich nach Hamburg gezogen, wo ich die Mailboxen endlich zum Telefon-Ortstarif erreichen konnte. Aber irgendwie habe ich nur mit denselben D”del-Boxen rumgemacht, die ich schon von frher kannte. Und dann war ich auf einer Demo und habe jemanden kennengelernt, der in der Hamburger Hacker-Szene ziem- lich integriert ist. Und der hat mir die Telefonnummer von der LINK-HH [Mailbox, aus der sich sp„ter das ftz entwickelte. Anm. d. Red.] gegeben. Dort habe ich angerufen und mir als allererstes eine Brettliste gezogen und war begeistert von dem riesigen Informationsangebot. Aber ich hatte schnell den Eindruck: Das sind alles irgendwelche komische Computerfreaks, die 'ne sehr entwickelte Technik haben und auch witzige Ideen, aber da máte man mehr d'raus machen! Zu den Brettern von CL und APC [Deutsche und internationale Themenrubriken von politischen Initiativen. Anm. d. Red.] kam ich auf ganz witzige Weise: Ich war in Amerika, in Berkeley. Dort lief gerade, was sich "Peoples Park-Besetzung" nannte. Das war ein mit ziemlich viel Aufruhr verbundener Kampf zwischen Men- schen, die dort auf der Straáe leben, und der Polizei. Darber habe ich dann in Deutschland in einem CL-Brett eine Nachricht ge- schrieben mit der Anfrage, ob die deutschen Studentenvertreter nicht ihre Universit„ten dr„ngen sollten, die Partnerschaften mit der University of California, die die Polizei gegen diese Leute angeheuert hatte, aufzukndigen. Und dann schrieb mir ein Udo Schacht-Wiegand [Repr„sentant von APC-Deutschland. Anm. d. Red.]: Das ist 'was fr APC! Und er hat mir per elektronischem Brief erst'mal erkl„rt, was das ist. Und das fand ich dann sehr interessant, denn die Beitr„ge schlugen jede Tageszeitung! Zum ftz kam ich dann, weil ich mir dachte, was dem Laden einfach fehlt, ist ein ”ffentliches Terminal. Und dann hatte ich Ideen ausgearbeitet zu frei bedienbaren Systemen mit einer Anleitung daran, die in den Zeitschriften-Ecken der Bcherhallen stehen k”nnten. Beim ftz h”rte ich dann, daá der ein oder andere das auch schon probiert hatte, das aber eben so einfach nicht ginge. Und dann wurde ich immer st„rker in Arbeitszusammenh„nge des ftz eingebunden (lacht). ftz-Magazin: Und welche Aufgaben nimmst Du derzeit im ftz wahr? Jan Schreiber: Im Moment bin ich derjenige, der sich fr die Technik verantwortlich fhlt und dabei sein Auge darauf h„lt, was passiert und nicht passiert und versucht, Teilaufgaben an andere zu delegieren. Also ich mache zur Zeit die Technik mit anderen zusammen. ftz-Magazin: Welche t„glichen T„tigkeiten verbinden sich damit? Jan Schreiber: Routinearbeiten. Das sind Sachen wie technische Beratung oder auch inhaltliche Hinweise, was die Leute schreiben, und in welche Bretter sie es schreiben, und ihnen dann Alternati- ven sagen: Diese Bretter oder Teilnehmer sind interessant; schreibt doch in eurer Sache 'mal den und den an. Und dann gibt's noch ganz normale technische Routinesachen wie z.B., daá man guckt, ob der automatische Nachrichtenaustausch mit anderen Systemen ber Nacht geklappt hat und solche technischen Wartungs- aktionen. ftz-Magazin: Welche technische Ausstattung hat das ftz-System zur Zeit? Jan Schreiber: Wir haben zur Zeit zwei Telefonleitungen, Daten- leitungen, die angerufen werden k”nnen. An beiden h„ngt ein High Speed-Modem. Wir haben zwei 386er-Computer [Computer, der auf dem Mikroprozessor Intel 80386 aufbaut. Anm. d. Red.], die ber ein Netzwerk aneinander gekoppelt sind und nach auáen die zwei Leitungen als ein Gesamtsystem erscheinen lassen. Nach unserem Umzug in die Klaus-Groth-Straáe werden wir drei Leitungen auf vier Rechnern haben. ftz-Magazin: Was fr eine Software l„uft dort? Jan Schreiber: Auf den 386ern selbst l„uft als Betriebssystem MS- DOS. Das Programm, das wir fr den Mailboxbetrieb benutzen, heiát Zerberus. Das Interessante momentan, auch aus meiner Sicht, ist die Verbindung zum Internet. Das Internet ist das gr”áte zusam- menh„ngende Computernetz weltweit, das weitgehend von Hochschulen und Groáunternehmen finanziert wird. Wir haben dabei die M”glich- keit, internationale ”ffentliche Nachrichten zu erhalten, und gleichzeitig k”nnen wir jedem Benutzer unseres Systems eine internationale Electronic-Mail-Adresse anbieten. Das heiát, er ist unter einer genormten Standard-Adresse, die in der ganzen Welt verstanden wird, von jedem an diesem groáen Internet h„ngenden Rechner auf der ganzen Welt erreichbar und bekommt seine Briefe hier in sein Postfach. ftz-Magazin: Wie kann sich das finanziell gering ausgestattete ftz diese internationale Netzanbindung leisten? Jan Schreiber: Es gibt in Deutschland das "Individual Network". Das ist eine Vereinigung von jung-dynamischen Studenten, die das Internet zun„chst fr sich selbst, auáerhalb der sich restriktiv verhaltenden Universit„ten, nutzbar machen wollten. Sie haben das Individual Network einfach auf eigene Faust gegrndet und konnten aufgrund ihrer Mitgliederzahl ein ganz normales Angebot des deutschen Internet-Anbieters annehmen. Und sie teilen sich die Kosten nun untereinander. Das ftz ist daran mit der sogenannten "comlink.de" beteiligt. ftz-Magazin: Warum reagieren Menschen und Organisationen, die aus einem Netzanschluá beim ftz Vorteile ziehen k”nnten, h„ufig zurckhaltend bis abwehrend, wenn von dem Begriff "Mailbox" die Rede ist? Jan Schreiber: Das liegt an der Darstellung von Mailboxen in der ™ffentlichkeit, also was der Normalmensch davon mitkriegen kann. Mailboxen erscheinen als etwas Mysteri”ses; das hat etwas mit moderner Alchemie zu tun: Datenreisen, Hacker, Chaos-Computer- Club oder so. Wenn man n„her interessiert ist, dann st”át man auf Bcher, die gr”átenteils von Diensten wie Telefax, Telebox, btx und bestenfalls noch CompuServe handeln. ftz-Magazin: Das sind die groáen kommerziellen Anbieter? Jan Schreiber: Nehmen wir CompuServe. Das ist kommerziell, sehr teuer, gut vermarktet aber bei der Bedienung eigentlich eher ein etwas „lterer Stand der Technik. Aber ber Systeme, wie wir sie haben, findet man kaum etwas. Es kommt berhaupt keine Infor- mation 'rber. Wenn man aus den Medien berhaupt etwas erf„hrt, dann hat man den Eindruck, daá es sich da um irgendwelche Hobbytechniker handelt, die einen ganz inneren Zirkel haben. Daá es sich um eine Dienstleistung handelt, die inhaltlich viel anspruchsvoller ist als das sexgefllte btx der Bundespost und technisch mindestens so zuverl„ssig, das kommt in der Presse nicht vor. ftz-Magazin: Was aber unterscheidet nun das ftz von den Hobby- Mailboxen? Jan Schreiber: Das Wesentliche sind, glaube ich, zwei Sachen. Einmal der inhaltliche Schwerpunkt. Mit "inhaltlich" meine ich einerseits die Vernetzung und den verantwortlichen Umgang mit neuen Medien insgesamt zu betrachten, und andererseits Schwer- punkte zu setzen bei Leuten, die wir aus unserer Kraft an das Netz heranfhren wollen, daá man sich also Gruppen und Projekte aussucht, Initiativen, wo man sagt: Dafr k”nnen wir unsere Kraft einsetzen. ftz-Magazin: Also praktisch: Den Nicht-Computerfreaks ein Medium zur Verfgung stellen, das sie sinnvoll nutzen k”nnen, wenn sie nur wissen, wie es zu bedienen ist. Jan Schreiber: Das, was wir anbieten, diese Electronic-Mail als Werkzeug in den Dienst von Leuten einzuspannen, die es fr ihre Arbeit nutzen k”nnen, das ist das Ziel vom ftz, was uns von anderen unterscheidet. Denn bei den Hobby-Systemen ist, denke ich 'mal, allererstes Ziel die Technik selbst, als Selbstzweck, und als zweites Ziel in Kontakt zu treten mit anderen, die diese Technik auch als interessant ansehen. ftz-Magazin: Was sind gegenw„rtig die gr”áten Probleme des ftz? Jan Schreiber: Geld- und Personalmangel! Geld: Einerseits wird die Technik gr”átenteils von engagierten Leuten bezahlt. Anderer- seits spielt das Geld- in das Personalproblem einfach mit rein, denn es gibt wenige Leute, die in der Lage sind, ein derartiges System zu betreuen und zu warten. Da wir so einen hohen Zuverl„ssigkeitsanspruch haben - das geh”rt auch in die Ecke, was uns von anderen unterscheidet - ist das ganze sehr stressig. Wenn man ein Projekt so macht, daá man sagt: Jetzt habe ich Zeit, und m”chte daran ein Biáchen arbeiten, und jetzt m”chte ich wieder etwas anderes machen und lasse es liegen. Das k”nnen wir im ftz nicht machen! ftz-Magazin: Und das schreckt potentielle Mitarbeiter ab. Jan Schreiber: Es ist vor allen Dingen so, daá die Mitarbeiter, die da noch brig bleiben und sich da 'reinknien, aufgefressen werden von den Arbeiten. Ich wrde gern auch inhaltliche Arbeit machen. ftz-Magazin: Wenn also die M”glichkeit bestnde, diese Arbeit an der Technik auf verschiedene Personen zu verteilen, dann wrde sich das Problem doch sicher entsch„rfen. Geht das? Jan Schreiber: Es ist schwierig, Leute zu finden, die in diesen Zuverl„ssigkeitsansprchen fr sich selbst einen Sinn sehen. Und das mssen sie selbst natrlich wnschen, und nicht sich aufzwin- gen lassen von anderen, und es machen wollen, ohne daran Geld zu verdienen. ftz-Magazin: Aber die Arbeit l„át sich durchaus in kleine H„ppchen aufteilen? Jan Schreiber: Auf jeden Fall. Das setzt aber voraus, daá man sich in diesem Punkt auch vertrauen kann, und nicht einer die Arbeit des anderen st„ndig kontrollieren muá. ftz-Magazin: Welche pers”nlichen Vorteile ziehst Du aus der Ar- beit beim ftz? Jan Schreiber: Es ist natrlich eine Weiterbildung. Die techni- sche Weiterentwicklung, also die im ftz, ist dermaáen rasant, daá man sagen kann: Sobald man eine neue Sache begriffen hat, kann man sich schon wieder an die n„chste 'ransetzen. Was ich eben als Nachteil - Stichwort "Auffressen" - geschildert habe, ist natr- lich auch widerum so, daá man sich da sehr extrem mit den Sachen besch„ftigt, darin aufgeht und schnell zu Ergebnissen kommt, was beim Jobben in irgendeiner Firma sicher nicht der Fall w„re. ftz-Magazin: Es ist also sicherlich auch gegenber dem Studium ein praktischer Ausgleich? Jan Schreiber: Ja. Ich erz„hle folgendes: Wir hatten 'mal ein Angebot von der Universit„t Hamburg, uns dort statt bei unserem derzeitigen Internet-Versorger zu versorgen. Wir haben jemanden von uns dort hingeschickt, der das durchsprechen sollte. Der saá dort fest angestellten Universit„tsleuten gegenber, die von berhaupt Nichts eine Ahnung hatten. Sie wuáten berhaupt nicht, was das war, was das ftz von ihnen haben wollte. Das heiát, daá wir uns hier ein ziemlich hohes Know-how angereichert haben, denke ich 'mal. ftz-Magazin: Sch”nen Dank fr das Gespr„ch. ----------------------------------------------------------------- Dies ist die Disketten-Ausgabe des ftz-Magazins. Das ftz-Magazin erscheint unregelm„áig und will allen Interessierten ein Bild von den M”glichkeiten weltweiter elektronischer Brgernetze vermit- teln und zur Teilnahme einladen. Der Abdruck von Artikeln aus dem ftz-Magazin ist mit Quellenangabe und gegen Belegexemplar frei. Alle Ausgaben des ftz-Magazins sind auch auf Papier gedruckt er- h„ltlich. Fragen Sie uns! 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